Das Smartphone – Schweizer Taschenmesser des Alltags
Ein Interview mit Dirk Spannaus
Dirk Spannaus ist Gründer des Münchner Startup „on2off“. „on2off“ entwickelt einfach bedienbare und intelligente Onlinelösungen für lokale Unternehmen. Schwerpunkte sind dabei Onlinekommunikation und -marketing. Er ist Mitorganisator des Dresdner MobileCamp und in dieser Funktion bat queo ihn um ein Interview.

Herr Spannaus, seit wann arbeiten Sie im Mobile Sektor und in welchen Bereichen?
Professionell beschäftige ich mich seit etwa fünf Jahren mit dem Thema Mobile. Zuvor habe ich den Bereich privat beobachtet und auch schon früh selbst genutzt. Als Berater bei IBM Interactive habe ich gemeinsam mit Kunden mobile Ideen und Lösungen entwickelt.
Für unser Startup „on2off“ nutzen wir mobile Technologien als Mittel, um die Kunden unserer lokalen Geschäfte wieder zurück in die Läden zu bekommen. Mobile Dienste sind ganz klar das Instrument, dass eine Bewegung von online zurück zu offline ermöglicht. Kunden gehen wieder direkt vor Ort in die Geschäfte – nachdem sie online auf deren Produkte und Dienstleistungen aufmerksam geworden sind.
Was sind Ihrer Meinung nach die großen Trends im Mobile Bereich sowohl dieses als auch in den kommenden Jahren?
Einen großen Trend sehe ich in der Nutzung im täglichen Leben. Das Smartphone wird zum Schweizer Taschenmesser des Alltags, das nicht mehr nur von Geschäftsleuten genutzt wird. Ich kann diese Entwicklung auch immer wieder in meinem Freundeskreis feststellen: Die anfängliche Skepsis weicht ziemlich schnell der Begeisterung, wenn z.B. Fahrpläne oder Routenauskünfte viel leichter zu finden sind. Mobiles Internet erleichtet den Alltag ungemein und wird zum Problemlöser.
Das Smartphone als Informationsgerät für die lokale Umgebung gewinnt außerdem immer mehr an Bedeutung. Ich denke hier beispielsweise an FourSquare und die Explorer-Funktion. Wenn ich nicht weiß, wo ich einen guten Kaffee finde, schaue ich einfach, welche Orte meine Freunde besucht haben. Dieser Service hilft insbesondere in fremden Städten – ich kann mir ganz leicht Inspirationen holen.
Mobile Gaming wird ebenfalls eine immer größere Rolle spielen. Die erfolgreichsten Apps in den Stores sind oft Games. Nun gibt es vermehrt innovative Angebote, bei denen mobile Spiele mit der Realität vermischt werden. Entertainment ist immer gefragt, wir werden wohl in der Stadt bald vermehrt Gruppen mit Tabletts z.B. auf der Jagd nach Monstern oder beim Erkunden von Geschichten sehen.
Trends werden ganz sicher überraschend aus schlauen Anwendungen entstehen, weniger aus Hightech-Angeboten.
Mobile Payment und NFC (Near Field Communication) werden von Anbieterseite gern als die großen Trends von morgen beschrieben, allerdings werden diese bislang kaum wirklich nachgefragt. Es existieren derzeit einfach funktionierende alternative Bezahlmöglichkeiten, als dass Nutzer das mobile Bezahlen vermissen. Ähnlich verhält es sich im Bereich NFC – derzeit gibt es noch zu wenig neue Geräte mit einem eingebauten NFC-Reader, deshalb existiert dafür noch kein Massenmarkt.
Was ist für Sie das Besondere am MobileCamp Dresden?
Ich bin seit dem zweiten Camp dabei, da mich die Kompetenz der Teilnehmer überzeugt hat. Das MobileCamp Dresden nenne ich oft als Beispiel für eine Veranstaltung, die eine höhere Qualität als viele kommerzielle Konferenzen hat. Das liegt vor allem daran, dass die Teilnehmer so interessiert sind, dass sie sich anmelden, obwohl das Camp am Wochenende stattfindet. Oft entstehen viele neue und innovative Ideen. Das MobileCamp zieht Teilnehmer aus verschiedenen Städten an. Dadurch gibt es eine überregionale Vernetzung, was ich ebenfalls als großen Vorteil empfinde. Eigentlich lässt sich das Besondere am Barcamp in dieser Kombination ausdrücken: Hohe Kompetenz trifft auf Vernetzung an einem wunderbaren Veranstaltungsort.
Welche Erwartungen haben Sie an das diesjährige Barcamp?
Meine Hoffnung ist natürlich viele neue, interessante Teilnehmer zu treffen. Gemeinsam mit ihnen möchte ich über unser Startup diskutieren und im besten Fall komme ich mit vielen neuen Anregungen nach München zurück. Außerdem ist das MobileCamp auch immer ein kulturelles Erlebnis: Dieses Jahr findet es zeitgleich zur Bunten Republik Neustadt statt. Damit verknüpfen sich Weiterbildung und Spaß.
Welchen Tipp können Sie Unentschlossenen geben, die überlegen noch kurzfristig am Mobile Camp teilzunehmen?
Interessierte sollten sich einfach einen Ruck geben und, auch ohne die Agenda zu kennen, anreisen. Sie werden überrascht sein, welche vielseitigen Themen während des Wochenendes diskutiert werden. Und natürlich müssen sie sich beeilen, denn es sind nur noch wenige Restplätze übrig. Mein Tipp ist, sich die ersten Sessionvorschläge auf Facebook oder Google+ anzuschauen und sich einfach darauf einzulassen.
Vielen Dank für das Gespräch!

