Banken und Social Media | (K)ein Traumpaar?
Inspiriert durch einen Blogbeitrag von Roman Kappeler auf Swissroman.com mit dem bezeichnenden Titel „Liegt die Zukunft von Banken in Social Media? Vielleicht, aber noch nicht jetzt…“ möchte ich die Frage auch aus queo-Sicht einmal etwas näher untersuchen.
Viele Banken setzen derzeit schon auf die sozialen Medien, manche wie die Fidor-Bank konsequenter als andere. Doch ist dieser Weg immer zielführend? Können Sie als Bank oder Finanzdienstleister wirklich mittels Social Media messbare Erfolge erzielen und damit Ihre Zielerreichung unterstützen? Diese Fragen stellen wir uns und unseren Kunden immer wieder, wenn wir die schnelle Anfrage nach einem Angebot für einen Facebook-Account bekommen.
Wo Menschen sind, sollten Marken sein
Das klingt selbstverständlicher als es ist, wenn man die Sache beispielsweise im größten Social Media Netzwerk Facebook betrachtet: Etwa 72% aller Menschen in Deutschland, die älter als 15 Jahre sind und einen Internetzugang besitzen, sind registrierte Nutzer. Hinzu kommt, dass wiederum mehr als 50% der Nutzer auch täglich bei Facebook eingeloggt sind. Nichts liegt näher, als einen eigenen Unternehmensauftritt bei Facebook zu betreiben oder zu planen.
Aber: Gehören die Nutzer auf Facebook zu Ihrer Zielgruppe als Finanzdienstleister?
Wenn die Erwartungen Ihrer Zielgruppe sich mit Ihren Zielen decken, wird Ihre Kommunikationsstrategie wirtschaftlichen Erfolg und den erhofften Return on Investment bringen. Ein Blick auf folgende Fakten hilft bei der Beurteilung, ob und wie wichtig Facebook für Ihre Kommunikation als Finanzdienstleister ist:
Die “CRM Study 2011” des IBM Institute of Business Value analysis hat die Motivation der Facebook-Nutzer untersucht:
- 70% aller Nutzer verwenden Facebook überwiegend für private Zwecke.
- Nur 23% der Nutzer wollen auf Facebook mit Marken interagieren.
Es scheint fragwürdig, ob Facebook als Kanal für den Corporate Social Media Auftritt eines Finanzdienstleisters die richtige Wahl ist.
Denn Facebook bringt einige Dinge mit sich, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen:
- Das amerikanische Unternehmen verfolgt konsequent seine Ziele, die nicht immer im Einklang mit den Zielen und Wünschen der Unternehmen und Nutzer stehen.
- Die vielfache Kritik an Facebook kann auf das Engagement in diesem Netzwerk abfärben.
- Vor allem für Finanzdienstleister ist die Einhaltung deutschen Rechts essentiell, weshalb nicht alle Aktivitäten auf Facebook gesetzlich zulässig sind.
Um effizient und nachhaltig den Dialog im Social Web zu führen, muss die Contentstrategie zum jeweiligen Kanal passen.
Als Mainstream-Netzwerk ist Facebook für einfache Themen sowie Unterhaltung sehr gut geeignet. Beispielsweise finden sich aus den Bereichen Human Resources/Employer Branding, Servicemarketing und eCommerce zahlreiche Beispiele, welche die Möglichkeiten von Facebook sehr gut nutzen und das Potenzial dieses Netzwerks widerspiegeln: Hier passt die Contentstrategie zur jeweiligen Zielgruppe und umgekehrt.
Glaubwürdigkeit und Vertrauen entscheiden – auch im Social Web
Bekennen Menschen sich zu einer Marke zählt das Vertrauen: in das Produkt, in das Image, in die Leistungen des Unternehmens… Mit unseren eigenen Kunden aus der Finanz- und Versicherungsbranche haben wir die Erfahrung gemacht, dass gerade hier die Glaubwürdigkeit von Informationen und die Vertrauenswürdigkeit der Informationsquellen eine entscheidende Rolle spielt.
Die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) hat professionellen Anlegern folgende Frage gestellt:
What are reasons why you have not used information from a social networking site in your job in the past year or so?
Die Antwort: 52% der Befragten betrachten die Informationen in Sozialen Netzwerken als nicht zuverlässig.
Aus dieser Angabe lediglich herauszulesen, dass ein Massenmedium wie Facebook sich nicht für anspruchsvolle Finanzthemen eignet, wäre zu wenig. Betrachten wir zusätzlich eine Studie, die im Rahmen der „Use of Social and Digital Media“ von Brunswick erschien: 2009 nutzen nur 13% der befragten Analysten und Investoren Soziale Netzwerke als Informationsmedium, wenig mehr waren es 2010 mit 14%.
Welche Erwartungshaltung Social Media Nutzer gegenüber verschiedenen Branchen haben, zeigt die folgende Umfrage von Keylans.
Die von Keylans Befragten sind Social Media Nutzer (inkl. Gelegenheitsnutzer), von denen 70% aktive Facebook-Mitglieder sind. Berücksichtigt man zusätzlich, dass die breite Bevölkerung Social Media mit Facebook gleichsetzt, bestätigt sich die Annahme, dass Facebook nicht der primäre Kanal für die Kommunikation von Finanzdienstleistungen sein kann.
Welche besseren Alternativen gibt es für Finanzdienstleister?
Kehren wir noch einmal zur Studie von Brunswick zurück:
Auch wenn nur 13% bzw. 14% sozialen Netzwerken ihr Vertrauen schenken, sind es immerhin 29% bzw. 30%, die sich unter anderem in Blogs informieren.
Das Weblog – Social Media als sinnvolle Vertriebsunterstützung
Der Blog, ehemals klassisches Online Tagebuch, hat mittlerweile nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert bezüglich Qualität und Glaubwürdigkeit der Informationen erlangt. Ein Blog hat viele Vorteile. Dazu gehören unter anderem:
- Ausführliche Vorstellung von Produkten und Dienstleistungen
- Verbreiten und Kommentieren von Unternehmensmeldungen
- Aufnahme von dynamischen Website-Inhalten, welcher auf der Unternehmenswebsite aus technischen und inhaltlichen Gründen nicht platziert werden können
- Unterstützung von SEO-Maßnahmen durch Back- und Crosslinks
Neben einer Vielzahl privat betriebener Blogs im Finanzbereich, wie der unseres Kunden Stefan Riße (Börsenexperte und Portfolio-Manager), entscheiden sich auch mehr und mehr Unternehmen für den Schritt in die Blogosphäre. Ein gutes Beispiel – ebenfalls eines unserer Kunden, diesmal aus der Solarbranche – ist die SMA Solar Technology. Es zeigt die Vorteile eines Corporate Blogs in die Unternehmenskommunikation: Er funktioniert als zielgenaues, aktuelles und verlässliches soziales Informationsmedium.
Ein weiterer Pluspunkt: Ein Blog ist auf mobilen Endgeräten ohne Einschränkungen darstellbar.
Dieser Fakt ist besonders wichtig, weil die mobile Nutzung von sozialen Inhalten zusehends an Bedeutung gewinnt. Deutschland liegt aktuell weltweit bei der Nutzung von Smartphones im Mittelfeld. Es ist also davon auszugehen, dass die kommenden Jahre einen weiteren starken Zuwachs in dem Segment mit sich bringen werden und Social Media ist mit über 36% wichtigster Treiber für die Nutzung von Smartphones.
Social Media Marketing als ganzheitliche Erfolgsstrategie
Für den erfolgreichen Aufbau und Betrieb eines Corporate Blogs ist, wie bei allen anderen Social Media Aktivitäten auch, eine ganzheitliche Strategie erforderlich, die unter anderem die Verteilung des Contents und den Workflow im Krisenfall regelt, aber auch das Zusammenspiel der Kanäle berücksichtigt. Zum Beispiel kommt der Nutzung von Facebook als vertriebsunterstützendem Kanal innerhalb des Social Media Mix für Finanzdienstleister eher eine Nebenrolle zu. Die Funktionen weiterer Kanäle wie Google+ und Twitter werden innerhalb einer umfassenden Social Media Strategie genau festgelegt und können entsprechend wirksam gespielt werden.
Ich frage mich ernsthaft, wieso im Bereich der Banken und Finanzdienstleister so wenig über Alternativen nachgedacht wird? Facebook ist bald so uncool wie ein Trainingsanzug aus Frottee – behaupten zumindest zwei Los Angeles Times Autoren. Das habe ich über Blogs und Foren noch nie gehört. Aber dafür braucht es auch einiges mehr als für eine Facebook-Seite und solange Social Media wie das fünfte Rad am Wagen behandelt wird, wird sich daran auch nichts ändern. Erst wenn man beginnt, auch einmal über den Tellerrand zu schauen, die “Schubladendenke” ablegt und sich der Sache mit Zeit und Priorität widmet, erst dann kann aus Banken und Social Media ein Traumpaar werden.
Studien und Quellen:
DVFA: Social Media Survey 2011: The Use of Social Media by European Investment Professionals; S. 15
Brunswick Research: ANALYST AND INVESTOR SURVEY: USE OF SOCIAL AND DIGITAL MEDIA; S.4
KEYLANS: „Kundenerwartungen im Social Web“, Studie von KEYLANS Management Consultants in Zusammenarbeit mit der Universität Bremen; Dezember 2011; S.10
IBM Institute of Business Value analysis. CRM Study 2011
http://allfacebook.de/zahlen_fakten/infografik-facebook-2012-nutzerzahlen-fakten


